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Der alles beherrschende Sport in Deutschland des 19. Jahrhunderts war das Turnen. Alle anderen Sportarten führten dagegen ein Schattendasein, entwickelten sich aber im Umfeld des Turnens. So war auch die erste Ringkampfveranstaltung, bei der nachweislich ein Greizer Sportler auftrat, eingebunden in einen Turnwettbewerb. Am 14. September 1885 fand das 11. Osterländische Gauturnfest in Schmölln statt. Als Rahmenveranstaltungen wurden auch leichtathletische Läufe und ein Wettringen durchgeführt. Sieger beim Ringen wurde C. H. Gerold vom Turnklub Greiz, der somit als erster Greizer Sieger beim Ringkampf in die Analen eingeht.
Am 18. und 19. April 1891 trat der zu dieser Zeit schon fast ein Jahrzehnt weltweit bekannte Athlet und Ringkämpfer Carl Abs im Greizer Tivoli auf. Der mecklenburgische Zimmermann, 1851 geboren, trat als Ringer und Stemmer auf und reiste dabei durch Europa, die USA und Kanada. Abs wurde 1884 der erste deutsche Professional-Weltmeister, als er den Amerikaner William Muldoon in New York besiegte. Fachleute sind sich heute einig, ohne Abs, der den Kraftsport in Deutschland in breiten Kreisen der Bevölkerung popularisierte (vergleichbar der Tenniswelle durch die Erfolge von Boris Becker), wäre der Deutsche Athleten- Verband 1891 nicht gegründet worden. Schon ein Jahr später, genau am 10. September 1892, reichte der Greizer Bäckermeister Franz Golla, wohnhaft in der Unteren Silberstraße 2, an die fürstliche Landesregierung die Bitte um Genehmigung des Vereines "I. Greizer Athletenclub" ein.
Auch über den Werdegang des Vereines liegt das Dunkel der Geschichte, die Genehmigung für öffentliche Auftritte wurde jedenfalls erteilt. Übrigens mußte jeder, der aufgenommen werden wollte, das 18. Lebensjahr überschritten haben.
Bekanntestes Mitglied des Vereins vor der Jahrhundertwende war Franz Linke. Er gewann Wettkämpfe im Ringen, z. B. im August 1896 in Werdau, einen Wettlauf von Künzel’s Lokal (Lehmgrube) bis zur Schlötenmühle, kämpfte aber auch gegen Zirkusathleten. So besiegte er im Oktober 1895 einen Herrn Esser vom Zirkus Immans und erhielt dafür einen Preis von 100 Mark, zu der Zeit ein fürstlicher Lohn. Linke muss wohl ein großes Talent gewesen sein. So setzte er selbst Prämien bis zu 100 Mark aus für denjenigen, der ihn besiegen würde. So geschehen z. B. am 18. Januar 1897 im "Gasthof zum Wolfen" in Langenwetzendorf.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trat die "Kraftsportliche Vereinigung Greiz" in das Licht der Öffentlichkeit, die ihre Übungsstunden dienstags von 20 bis 23 Uhr zuerst im Vereinslokal "Untere Linde" und später in der heute noch existierenden Gaststätte "Krug zum grünen Kranze" hatte. Im Vorort Aubachtal existierte der "Erste Arbeiter- Kraftsportverein Greiz", der dem Arbeitersportverband "Vorwärts" angehörte.
Nachdem der Erste Weltkrieg viele Opfer unter den Ringkämpfern in Greiz gefordert hatte, taucht in den Jahren danach ein neuer Verein in Greiz auf. Es ist die "Kraftsportliche Vereinigung Greiz", die ihr Domizil in der Marienschule, der heutigen Goetheschule, hatte. Auch von diesem Verein ist uns wenig Archivmaterial hinterlassen worden. Eine Sportvorschau in der Reußischen Volkszeitung vom 24. April 1920 nennt uns einige ihrer Kämpfer und ihre Kampfpartner aus Plauen. "Die Kraftsportliche Vereinigung Greiz" veranstaltet am Sonntag, dem 25. April in Grimm’s Lokal einen Städtewettkampf, zu dem sie den Ring- und Stemmklub "Herkules" in Plauen gewonnen hat. Zur Austragung des Kampfes gelangt ein silberner Pokal. Es stehen sich folgende Ringer gegenüber: Willi Neidhardt (Greiz) – Kurt Winkler (Plauen), Alfred Michel (Greiz) – Albert Lenk (Plauen), Hermann Hollmann (Greiz) – P. Eisenschmidt (Plauen), Paul Zapf (Greiz) – Paul Metzner (Plauen), Arno Frotscher (Greiz) – Paul Gerstner (Plauen). Beginn vier Uhr, anschließend "Tanzkränzchen." Das Ergebnis der Kämpfe ist uns leider nicht überliefert.
Der als erster Kämpfer für Greiz genannte Willi Neidhardt tauchte bereits 1910 als Gewinner eines Turniers in Auerbach in den Siegerlisten auf. Startete damals im Federgewicht. Es war die leichteste Gewichtsklasse, insgesamt gab es fünf Gewichtsklassen (Feder-, Leicht-, Mittel-, Halbschwer- und Schwergewicht). In diesen fünf Gewichtsklassen wurden ab 1919 die deutschen Meister im griechisch-römischen Stil ermittelt. Die ersten deutschen Meisterschaften im griechischrömischen Stil wurden 1893, damals nur in einer Gewichtsklasse, in Köln durchgeführt. Die ersten deutschen Freistilmeisterschaften fanden erstmals 1934 in Nürnberg ihre Austragung.
Willi Neidhardt, der lange Zeit als bester Greizer Ringer galt, eroberte sogar bei den Deutschen Meisterschaften Medaillen. Bei den Titelkämpfen 1921, als die Deutsche Meisterschaft in Plauen stattfand, allerdings für Pausa, da Neidhardt nach Streitigkeiten mit der Vereinsführung in Greiz nach Pausa gewechselt war. Neidhardt gewann damals als erster Ringer der näheren Umgebung eine Medaille bei deutschen Meisterschaften, und zwar die silberne.
Wie lange das Gastspiel in Pausa dauerte, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Bei den deutschen Meisterschaften des Jahres 1923, die ihre Austragung in Erfurt fand, startete Willi Neidhardt jedenfalls wieder für seine Heimatstadt Greiz und konnte zum zweiten Mal eine Medaille in Empfang nehmen, diesmal die bronzene.
Aber auch die Konkurrenz in der eigenen Stadt schlief nicht. Hermann Hüttner hieß der stärkste Ringer des Arbeiter-Kraftsportvereines. Er gewann viele Turniere und Wettkämpfe. Ende der zwanziger Jahre nahm er zusammen mit dem Berliner Halbschwergewichtler Werner Seelenbinder an der Völkerspartakiade der Sowjetunion teil, bei der auch Ringer aus den Arbeitersportverbänden aus vielen Teilen Europas starteten. Während der später durch die Nazis wegen kommunistischer Betätigung hingerichtete und in der SED-Propaganda missbrauchte Seelenbinder in der Sowjetunion die Silbermedaille erkämpfte, belegte der Greizer Hermann Hüttner einen hervorragenden dritten Platz.
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